Ein Haus der Vielfalt

Das Integrationshaus ist seit 1995 ein Schutzort für traumatisierte geflüchtete Menschen, die sich nach ihrer Flucht eine neue Existenz aufbauen möchten. Die ganzheitliche professionelle Umsetzung von Unterkunft, Betreuung, Bildung und Beratung für Geflüchtete und Migrant*innen unter einem Dach ist dabei einzigartig - ein Vorzeigemodell, das es national wie international in dieser Form nur im Integrationshaus gibt.

Von anfänglich 11 Personen im Jahr 1995 ist das multiprofessionelle Team des Integrationshauses mittlerweile auf 150 Mitarbeiter*innen angewachsen, das insgesamt 40 Sprachen spricht. Gemeinsam mit vielen Freiwilligen aus der Zivilgesellschaft zeigen sie seit über 25 Jahren, wie die Aufnahme und Integration von geflüchteten Menschen und Migrant*innen bestmöglich funktioniert.

Wie alles begann

Das „Lichtermeer“ 1993 war die Initialzündung für eine Gruppe an Menschenrechtsaktivisten, rund um den Musiker Willi Resetarits, für die Umsetzung der Idee eines „Projekts Integrationshaus“. 1995 fand dann die offizielle Eröffnung in der Engerthstraße 163 statt – mit Andrea Eraslan-Weninger als Geschäftsführerin.

Die Leitidee von Anfang an: Jede Familie und jede Einzelperson hat ihre eigenen vier Wände – einen Rückzugsort, einen Raum für sich, samt Kochgelegenheit. Denn selbst kochen und miteinander essen können wesentlich dazu beitragen, nach der Flucht wieder Halt im Alltag und in der Familie zu finden.

Kinder finden ein zu Hause

Die psychologische Betreuung der Kinder ist ebenfalls von Anfang ein wichtiger Teil der Arbeit im Integrationshaus. Zwei Kinderpsychologinnen kümmern sich speziell um die Bedürfnisse der geflüchteten Kindergarten- und Schulkinder. Stabilisierung und Aufarbeitung von Flucht und Trauma, aber auch Unterstützung beim Einstieg in das österreichische Bildungssystem bilden die Arbeitsschwerpunkte. Bereits dreimal wurden Projekte zum Schutz von Kindern im Integrationshaus mit dem österreichischen Kinderschutzpreis MIKY ausgezeichnet. Im Wohnheim des Integrationshauses leben derzeit 57 Kinder.

Unverzichtbar: Freiwillige Mitarbeiter*innen

Bildungspartner*innen, Buddies, Mentor*innen, Vertrauenspersonen oder einfach Helfer*innen – das Integrationshaus setzte von Anfang an auch auf die Mithilfe von Freiwilligen. Der interkulturelle Austausch und die individuelle Unterstützung der geflüchteten Menschen durch sie ist ein wichtiger Teil der Integrationsarbeit. Umfangreiche Schulungen bereiten die Freiwilligen auf ihre Aufgaben vor und werden im Rahmen von Reflexionsgesprächen auch ständig begleitet. Heute unterstützen rund 200 Freiwillige laufend das Integrationshaus in den unterschiedlichsten Bereichen.

Engagement für menschenwürdiges Asyl

Von Anfang an kämpft das Integrationshaus für eine menschenwürdige Asyl- und Integrationspolitik. Durch Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen, Gesprächen mit politischen Entscheidungsträger*innen, die Umsetzung oder Teilnahme an Veranstaltungen sowie Bildungs- und Begegnungsprojekten nehmen wir Einfluss auf die Verbesserung von rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen für geflüchtete Menschen.

Umso erschütternder ist die Tatsache, dass sich seit 1995 die Asyl- und Integrationspolitik immer weiter von einer menschenwürdigen Politik entfernt hat. So macht uns beispielsweise aktuell die Tatsache besonders betroffen, dass Österreich nicht bereit ist, minderjährige Geflüchtete oder besonders vulnerable Personen aus den maßlos überfüllten griechischen Flüchtlingslagern oder aus Afghanistan zu uns zu holen.

Kulturarbeit im Integrationshaus

Bei der Kulturarbeit des Integrationshauses steht eines von Beginn an im Mittelpunkt: Einen Raum zu schaffen für den Dialog verschiedener Kulturen und finanzielle Ressourcen für die Arbeit des Integrationshauses zu schaffen. Die Kombination aus diesen beiden Aspekten macht die kulturellen Tätigkeiten so wichtig für das Integrationshaus.

Jährlicher Höhepunkt ist dabei der Wiener Flüchtlingsball. Dieser fand 2021 bereits zum 27. Mal statt - pandemiebedingt allerdings nicht im Wiener Rathaus sondern als Online-Veranstaltung. Die zweimal jährlich stattfindende Kabarett-Gala „Lachen hilft!“ im Wiener Stadtsaal gibt es ebenfalls bereits seit den Anfangsjahren und findet normalerweise immer am 1. Mai und am 26. Oktober statt. Im Jahr 1997 fand auch die erste Weinversteigerung zugunsten des Integrationshauses im Keller des Schottenstifts statt – auch sie gibt es bis heute noch.

Auf Spenden angewiesen

Öffentliche Förderungen reichen nicht aus, um Projekte, wie die Betreuung der Hausbewohner*innen, komplett finanzieren zu können. Auch die Rechtsberatung oder verschiedene Kinderbetreuungsprojekte werden ausschließlich über Spendengelder finanziert. Selbst die Infrastruktur des Hauses kann nur durch zusätzliche private Spenden oder Firmenspenden aufrechterhalten werden. Vor allem Leser*innen der „Guten Zeitung – dem Boulevardblatt für den guten Zweck“ und die Erlöse aus den Veranstaltungen leisten dafür einen wesentlichen Spendenbeitrag.

Von Anfang an: starkes Engagement von Künstler*innen und Expert*innen

Dem Integrationshaus wurde von Anfang an eine große Solidarität von vielen Unterstützer*innen entgegengebracht. Neben den Künstler*innen rund um Willi Resetarits und die Musikgruppe "Schmetterlinge" waren auch zahlreiche Expert*innen aus verschiedenen Berufsbereichen entscheidend beteiligt. So konnten soziale, kulturelle und künstlerische Zugänge in wegweisenden Projekten bereichernd zusammenwirken, ohne sich von der gegenläufigen Politik entmutigen zu lassen. Noch heute sind viele der engagierten Personen aus der Anfangszeit als Unterstützer*innen oder auch im Vorstand tätig und setzen sich für Solidarität und Menschlichkeit im Umgang mit Schutzsuchenden ein.

Nachdem Willi Resetarits sich vor einigen Jahren aus der Rolle als Vorstandsvorsitzender zurückgezogen hatte und die Vorsitzfunktion damals an Beatrix Neundlinger übergab, übernahm vor zwei Jahren die Schauspielerin Katharina Stemberger den Vorstandsvorsitz. Willi Resetarits ist aber bis heute noch als Ehrenvorsitzender des Integrationshauses aktiv.

Eckpfeiler: 

  • 1993 „Lichtermeer“
  • 1995 Eröffnung
  • 1997 Migrant*innen-Akademie
  • 2001 Projekt Caravan
  • 2005 Beratungsstelle
  • 2013 Projektzentrum am Nordbahnhof
  • 2016 Jugendcoaching an eigenem Standort an der Donau, Start des Jugendcollege