Vorwort von Helmut Schüller

Das Integrationshaus ist schon seit den großen politischen Debatten der 1990er- Jahre über die Aufnahme von Geflüchteten ein sehr wichtiges praktisches Statement. Es macht deutlich, dass es immer um Menschen geht, um Respekt vor ihrer Würde, um ihre grundlegenden Rechte, um ihre menschenwürdige Unterbringung und um Unterstützung ihrer Bemühungen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Schon damals gab es politische Stimmen, die das alles in Abrede stellten und lieber von „Flüchtlingswellen“, „Masseneinwanderung“ und dem „vollen Boot“ sprachen. Und von den „Gutmenschen“ wie den im Integrationshaus Engagierten, die mit ihrem Einsatz für einen menschlichen Umgang mit Geflüchteten einen „Pull- Effekt“ erzeugen würden, der weitere Schutzsuchende anlocken würde. Dasselbe sagt man auch über die Seenotretter*innen auf dem Mittelmeer und über Initiativen zugunsten eines menschenwürdigen Umgangs mit Flüchtenden.

Waren diese Stimmen früher eher von den rechten Rändern des politischen Spektrums her zu hören, sind sie inzwischen in der sogenannten „politischen Mitte“ salonfähig geworden. Auch Politikerinnen und Politiker der Mitte-Parteien befleißigen sich aus Angst um Wählerstimmen einer „Push-back“-Sprache, in einem unwürdigen Wettlauf um den kältesten Umgang mit Geflüchteten. Das alles geht einher mit einer schrittweisen Abwertung von ganzen Menschengruppen.

Was zunächst Menschen gilt, die bei uns Schutz suchen, können bald auch Menschen zu spüren bekommen, die immer hier gelebt haben. Was als Verrohung der Sprache über „Ausländer“ begonnen hat, kann bald auch anderen Gruppen unserer Gesellschaft zum Verhängnis werden. Das Integrationshaus setzt dem eine Sprache ohne Worte, eine Sprache der Praxis, entgegen. Möge diese von genug Menschen in unserem Land verstanden werden!

Helmut Schüller, Pfarrer

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