Rückblick & Ausblick

Warum das Integrationshaus gerade jetzt Solidarität, Begegnung und Unterstützung braucht.

Das Jahr 2025 war für das Integrationshaus ein Jahr, das uns bewegt, gefordert und oft auch erschüttert hat. Politische Entscheidungen haben die Rahmenbedingungen für geflüchtete Menschen noch einmal drastisch verändert. Maßnahmen, die mit dem Spardruck verkauft werden, treffen in Wahrheit die Schwächsten in unserer Gesellschaft: Menschen, die vor Krieg, Gewalt oder Verfolgung geflohen sind und Schutz suchen. Für viele von ihnen bedeutet der neue politische Kurs den Verlust von dringend notwendiger Unterstützung, Zugang zu Wohnraum, psychosozialer Begleitung oder Bildungsangeboten. Diese Entwicklungen gehen nicht spurlos an uns vorüber – sie gefährden die Grundlagen eines menschenwürdigen Ankommens und Bleibens.

Dabei hatten wir 2025 eigentlich Anlass zu feiern: das Integrationshaus wurde 30 Jahre alt. Drei Jahrzehnte konsequentes Engagement, solidarisches Handeln und praktische Menschlichkeit. Drei Jahrzehnte, in denen wir gemeinsam mit unzähligen Unterstützer*innen gezeigt haben, dass Integration gelingen kann, wenn die notwendigen Ressourcen vorhanden sind und Menschen auf Augenhöhe begleitet werden. Wir blicken mit Dankbarkeit zurück – aber auch mit Wehmut, weil diese Haltung politisch zunehmend unter Druck gerät.

Das politische Klima hat sich weiter verschärft. Immer öfter wird über geflüchtete Menschen gesprochen, aber nicht mit ihnen. Immer öfter werden sie als Belastung dargestellt, statt als Teil unserer gemeinsamen Zukunft. Der Sparkurs der Politik setzt massiv bei denen an, die keine Lobby und keine laute Stimme haben. Für das Integrationshaus bedeutet das wachsende Unsicherheit, Planungsdruck, Projektkürzungen und vermehrt Anfragen von Menschen, die dringend Unterstützung brauchen, aber immer weniger Hilfe erhalten. Unsere Mitarbeiter*innen leisten Großartiges – doch immer öfter unter Bedingungen, die ihrem Engagement nicht gerecht werden.

Umso wichtiger ist es, dass wir neue Räume für Begegnung und Dialog schaffen. Deshalb freuen wir uns besonders auf die Eröffnung von „Das Willi“, einem offenen Begegnungsraum im Integrationshaus. Einem Ort, an dem Menschen mit und ohne Fluchterfahrung miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und gemeinsam die Gesellschaft gestalten können. Denn auch bei unserer diesjährigen Fachkonferenz wurde klar: Solidarität braucht Strukturen, Sichtbarkeit und Räume – „Das Willi“ ist ein Schritt in diese Richtung.

Unser Motto BE A MENSCH steht für den Anspruch an unsere Arbeit – Unterstützung auf Augenhöhe, respektvoll, zugewandt: Wir unterstützen Menschen nicht stellvertretend, sondern empowern sie, damit sie möglichst schnell ein selbstständiges Leben führen können. Denn Integration ist kein Almosen, sondern ein Recht. Und sie ist eine Chance – für uns alle.

Doch um diesen Weg weitergehen zu können, brauchen wir jetzt mehr denn je Verbündete. Menschen, die sich nicht damit abfinden, dass humanitäre Verantwortung ökonomischen Kalkülen geopfert wird. Menschen, die bereit sind, ihre Stimme zu erheben – und uns finanziell zu unterstützen, damit wir weiterhin jene begleiten können, die sonst niemanden haben.

Das Integrationshaus wird auch 2026 für Solidarität, Menschenrechte und ein gesellschaft-liches Miteinander eintreten. Doch das schaffen wir nicht allein. Bleiben Sie an unserer Seite – BE A MENSCH.

Martin Wurzenrainer und Susanne Lettner — die Geschäftsführung des Integrationshauses.

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