Menschen
Ein Weg voller Herausforderungen, Mut und Chancen – und wie ein einziger Kurs mein Leben grundlegend verändert hat. Ein EMail von JAWA-Kursteilnehmerin Elina.
Im Jahr 2009 besuchte ich zum ersten Mal einen AMS-Kurs – mein Einstieg in das österreichische Weiterbildungssystem. Ich war damals neu in diesem Land und kannte weder die Möglichkeiten noch die Wege, die es hier gab. Meine Kindheit war vom Krieg geprägt, Schulbesuch und unbeschwerte Träume waren nicht selbst verständlich. Trotzdem wollte ich immer etwas erreichen und meinen eigenen Weg finden.
Nach einigen Schuljahren in Österreich fiel mir immer noch vieles schwer – besonders Mathe und Englisch. Unterstützung konnten wir uns nicht leisten. Dann kam der Wendepunkt: meine erste Kursvermittlung vom AMS – zu JAWA.
Dieser Kurs öffnete mir eine ganz neue Welt. Ich lernte, Bewerbungen zu schreiben, Berufsbilder kennenzulernen und überhaupt zu verstehen, wie viele Chancen es gibt. Vor allem aber fühlte ich mich dort zum ersten Mal wirklich gesehen. Die Gruppe, die Trainerinnen und Trainer, das Miteinander – all das gab mir Orientierung und Mut.
JAWA war und ist ein außergewöhnliches Projekt. Die Trainer*innen waren kompetent, klar, menschlich. Sie motivierten uns und begleiteten uns, auch wenn wir manchmal schwierig waren. Durch verschiedene Praktika entdeckte ich meine Leidenschaft für Bücher – ein Moment, der meinen weiteren Lebensweg entscheidend geprägt hat.
Als junges Mädchen mit Migrationshintergrund und Kopftuch begegnete ich vielen Hürden und auch Diskriminierung. Doch ich ließ mich nicht aufhalten. Ich bewarb mich für Lehrstellen, machte Praktika in Bibliotheken und Buchhandlungen, arbeitete im Kino, bei Starbucks – wo ich die erste Schichtleiterin mit Kopftuch wurde – und später in der Filialleitung bei Action. Jede Station brachte mich weiter, ließ mich wachsen und zeigte mir, dass Veränderung möglich ist.
Eine Frau möchte ich besonders hervorheben: Roobina Ghazarian. Sie war eine beeindruckende Führungspersönlichkeit – streng, fair, voller Herz. Sie suchte für uns Mentor*innen, begleitete uns zu Gesprächen und war eine echte Stütze. Bei meinem ersten Bewerbungsgespräch war sie an meiner Seite. Ich hatte mich gerade dazu entschieden, das Kopftuch zu tragen, und viele Menschen in meinem Umfeld warnten mich davor. Doch sie tat das Gegenteil: Sie akzeptierte mich vollkommen. Sie sah mich – und nicht mein Kopftuch. Diese Haltung gab mir Selbstvertrauen und Kraft. Dafür bin ich ihr zutiefst dankbar.
Nach JAWA besuchte ich die HAK- Abendschule, absolvierte weitere Praktika und fand später meinen Weg in die Berufs- und Bildungsberatung. Ich arbeitete ehrenamtlich mit Jugendlichen, übersetzte für geflüchtete Menschen und begann schließlich beruflich im sozialen Bereich Fuß zu fassen. Heute arbeite ich im Haus Margareten, begleite dort Bewohner*innen und Geflüchtete, übersetze und unterstütze, wo ich gebraucht werde. Parallel dazu absolvierte ich ein Familientraining und engagiere mich weiterhin ehrenamtlich.
Meine zwei großen Leidenschaften sind Bücher und Kaffee. Ich träume davon, eines Tages ein eigenes Buch zu schreiben oder vielleicht ein kleines Café mit Buchhandlung zu eröffnen – einen Ort, an dem Geschichten und Menschen zusammenfinden.
Vor allem aber möchte ich eines weitergeben: Hoffnung. Ich möchte junge Menschen mit Migrationshintergrund darin bestärken, an sich zu glauben, dranzubleiben und mutig zu sein – so wie andere einst für mich da waren.
Kontakt
info@integrationshaus.at
+43 1 212 35 20