Interview

Interview mit Lisa Alluri, Freiwilligenkoordinatorin des Integrationshauses

GUTE ZEITUNG: Die Freiwilligenkoordination wird heuer 10 Jahre alt. Wieso ist Freiwilligenarbeit im Inte­grationshaus so wichtig?

LISA ALLURI: Freiwillige Mitarbeit ist ein ganz wesentlicher Teil unserer Arbeit. Viele unserer Angebote wären ohne engagierte Frei-willige gar nicht möglich. Sie begleiten Menschen, die neu in Österreich sind – im Alltag, beim Lernen oder in der Freizeit. Dadurch entsteht Vertrauen, das Leben in Österreich wird greifbarer. Für die Geflüchteten ist der Kontakt zu den Freiwilligen eine wichtige Orientierungshilfe. Und für die Freiwilligen ist der Austausch eine spannende Erfahrung, weil sie neue Perspektiven kennenlernen und Einblicke in ganz andere Lebensrealitäten erhalten.

GUTE ZEITUNG: Welche Möglichkeiten gibt es, im Integrationshaus freiwillig mitzuarbeiten?

LISA ALLURI: Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Freiwillige können zum Beispiel Einzelpersonen oder Familien begleiten, zusammen spazieren gehen, Wien kennenlernen oder Kindern und Jugendlichen beim Lernen helfen. Super ist auch unser Mentoringprogramm. Die Freiwilligen unterstützen dabei junge Menschen beim Einstieg in Ausbildung und Beruf. Außerdem helfen viele Freiwillige bei Veranstaltungen. Ich denke, es gibt für jede und jeden die Möglichkeit, entsprechend den eigenen Interessen und Fähigkeiten mitzuwirken. Es ist auch ganz normal, dass nicht immer alles gleich klappt. Manchmal will jemand Fußball spielen gehen und bemerkt dann, dass das Spazierengehen zum Spielplatz viel besser läuft. Es ist wichtig, auszuprobieren, was für alle Beteiligten gut funktioniert – zwischenmenschliche Beziehungen lassen sich nicht vorab planen.

GUTE ZEITUNG: Was muss ich tun, wenn ich freiwillig mitarbeiten möchte?

LISA ALLURI: Das ist ganz einfach – Interessierte finden auf unserer Website www.integ-rationshaus.at/freiwillige ein Anmeldeformular, wenn das abgeschickt ist, meldet sich eine Kollegin der Freiwilligenkoordination. Bevor es losgeht, gibt es ein  Gespräch über  Ressourcen, Erwartungen und Möglichkeiten, und die Freiwilligen erhalten Schulungsangebote. Wichtig sind vor allem persönliches Engagement, Offenheit und Klarheit, wieviel Zeit  investiert werden kann – dann finden wir geeignete Klient*innen.

Für manche Freiwillige passt ein langfristiges Engagement besser, für andere sind punktuelle Einsätze mehr geeignet, das hängt eigentlich sehr von der persönlichen Situation ab. Manche Beziehungen zwischen Freiwilligen und Geflüchteten halten Jahre, andere sind nach Erreichen eines Ziels (z. B. Deutschprüfung schaffen) wieder vorbei, auch das ist ganz  verschieden und hängt stark von den Beteiligten ab.

Eines ist sicher: Wer sich einbringt, wird Teil einer lebendigen Gemeinschaft und kann konkret auf jeden Fall dazu beitragen, Integration zu fördern. Ich habe selbst vor 20 Jahren als Freiwillige im Integrationshaus angefangen und kann sagen, es hat mein Leben sehr bereichert.

Das Projekt „Freiwillige Arbeit im Integrationshaus“  wird gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums.  

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