Gespräch
Ðaneta kam1995 als eine der ersten Bewohner*innen ins Integrationshaus. Sie stammt aus Bosnien. Viktoriia kam vor zwei Jahren aus der Ukraine. Ein Gespräch über das Flüchten, Ankommen und Bleiben. Aufgezeichnet von Nikolaus Heinelt.
Ðaneta: Wann bist du nach Öster reich gekommen?
Viktoriia: 2023 haben wir wegen des Krieges unsere Heimat verlassen müssen. Ich war mit meiner Familie zuerst in einem Erstaufnahmezentrum, in einem großen Raum mit über 50 Menschen. Es war schwer, aber wir haben das Wichtigste bekommen: ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. Das hat uns ein Stück Sicherheit zurückgegeben. Und dann kamen wir ins Integrationshaus. Ich weiß noch genau: Es war ein Freitag. Britta hat uns herzlich empfangen, und die Wohnung war vorbereitet – Möbel, Geschirr, Hygieneartikel, alles war da.
Ðaneta: Das berührt mich, denn so ähnlich war es bei mir auch. Ich erinnere mich noch, wie ich zum ersten Mal wieder einen eigenen Schlüssel in der Hand hatte. Es gab genug Betten für uns alle und eine kleine Küche. Und ich war endlich wieder mit meinen Kindern zusammen – das war das Wichtigste.
Viktoriia: Ich habe zwei Söhne und eine elfjährige Tochter. Meine Söhne studieren – einer an der WU, der andere im IT-Bereich. Für meine Tochter ist es noch schwierig in der Schule, vor allem wegen der Sprache. Aber sie macht tolle Fortschritte, und ich bin unglaublich stolz auf sie.
Ðaneta: Das kenne ich gut. Meine Tochter war damals auch elf, meine Söhne sieben. Am Anfang hatten wir große Sprachprobleme. Ein Jahr lang haben wir gemeinsam gelernt und gekämpft. Aber sie war so tapfer. Und irgendwann ging es, und sie hatten ihre ersten Schulnoten – auch in Deutsch.
Ðaneta: Was sind deine Pläne? Möchtest du arbeiten?
Viktoriia: Ja, sehr. Aber im Moment ist die Sprache mein größtes Hindernis. Man fühlt sich so eingeschränkt, wenn man nicht sagen kann, was man sagen möchte. Aber meine Kinder sind mein großes Vorbild – sie machen weiter und geben nicht auf. Ich will ihnen folgen. Ich suche gerade Arbeit. In der Ukraine habe ich als Tourismusmanagerin gearbeitet, aber hier bekomme ich bisher nur Absagen. Deshalb denke ich über eine Umschulung nach und versuche, neue Wege zu finden.
Ðaneta: Auch für mich war es schwer, mich auszudrücken und meine Kinder zu unter-stützen, wie ich es wollte. In Bosnien war ich Volksschullehrerin, aber hier konnte ich diesen Beruf nicht ausüben. Im Integrationshaus wurde dann eine Nachmittagsbetreuung für Kinder eröffnet, und so kam ich zu meinem ersten Job. Und ich habe die Gebärdensprache für mich entdeckt. Durch Zufall bin ich dann in diesem Bereich gelandet. Man weiß nie, wann sich welche Türen öffnen – und wo.
Gute Zeitung: Welche Bedeutung hatte das Integrationshaus dabei für dich?
Ðaneta: Ich glaube nicht, dass ich es ohne das Integrationshaus geschafft hätte. Zuerst kam ich von Lager zu Lager – das war eine Katastrophe. Als ich ins Integrationshaus kam, habe ich mich zum ersten Mal wieder wie ein Mensch gefühlt. Ich bekam Unterstützung in allen Bereichen: Schule, Gesundheit, Behördenwege. Mit meiner Betreuerin habe ich einen Kalender gemacht, damit ich nichts vergesse – Visum, Schulanmeldung, Arzttermine – mit allem, was ich dafür brauche.
Viktoriia: Das Integrationshaus ist mehr als ein Zuhause. Es ist ein Ort der Integration, Beratung und Unterstützung. Es wird vieles für uns organisiert – etwa die Frauengruppe, in der man sich austauschen kann, oder die Lerngruppe für die Kinder. Es gibt Psychologinnen für Erwachsene und Kinder. Und zu Weihnachten ein sehr schönes Fest für alle Bewohner*innen. Es wird auf unsere Bedürfnisse Rücksicht genommen, wir können jederzeit mit Anliegen und Fragen kommen, und es gibt immer gute Lösungen. Ich fühle mich hier geborgen. Es ist wie eine große, multikulturelle Familie.
Gute Zeitung: Und was wünschst du dir für die Zukunft?
Viktoriia: Mein größter Wunsch ist, dass meine Kinder in Sicherheit leben und eine gute Zukunft haben. Für mich wünsche ich mir nur, dass ich möglichst rasch einen Job finde, finanziell unabhängig werde und so gut Deutsch spreche, dass ich mich wieder sicher fühle. Und natürlich hoffe ich von Herzen, dass in der Ukraine bald Frieden kommt.
Ðaneta: Ich wünsche dir, dass all deine Wünsche in Erfüllung gehen. Und ich wünsche uns Frieden für die ganze Welt – damit Men-schen nicht gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Und wenn sie es doch müssen, dann sollen sie so aufgenommen werden, wie wir es hier erlebt haben.
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