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20 Jahre Beratungsstelle – ohne Orientierung kein Neuanfang

Ein weiterer Bereich des Integrationshauses feiert sein rundes Jubiläum: 2005 öffnete die psychosoziale Beratungsstelle ihre Türen! Was vor zwei Jahrzehnten als kleine Außenstelle im 20. Bezirk begann, hat sich zu einer unverzichtbaren Anlaufstelle für geflüchtete Menschen entwickelt.

Anfangs war vieles Pionierarbeit: Die Räume waren provisorisch, Dolmetschleistungen kaum finanzierbar, die Bedarfe riesig. Doch von Anfang an war der Geist des Integrationshauses spürbar: solidarisch, engagiert, menschenrechtsbasiert. Die ersten Berater*innen – einige davon bis heute im Team – begleiteten vor allem Menschen aus Tschetschenien oder Afghanistan, unter oft schwierigen Bedingungen.

Heute, 20 Jahre später, sind die Herausforderungen nicht kleiner geworden. Sie haben sich nur verändert. 2024 waren es vor allem Geflüchtete aus Syrien und Vertriebene aus der Ukraine, die Hilfe suchten. Die Menschen kommen mit schweren Traumata, ungewissem Aufenthaltsstatus, oft ohne Wohnung, ohne Perspektive. Frauen mit Kindern, die in überfüllten Notquartieren leben. Menschen, die trotz Qualifikation keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Jugendliche, deren Alltag von Unsicherheit und Perspektivenlosigkeit geprägt ist.

Wir sehen täglich, was kaum jemand wahrnimmt: stille Verzweiflung, rechtliche Sackgassen, psychische Notlagen. Aber auch, wie Menschen wieder aufblühen, wenn ihnen jemand auf Augenhöhe begegnet – mit Geduld, Know-how und Menschlichkeit. Es ist diese Kombination, die Leben verändert. Und manchmal rettet.

Zentraler Bestandteil der Beratungsstelle ist die unabhängige Rechtsberatung. Viele Verfahren sind hochkomplex: Fragen zum Bleiberecht, zum Familiennachzug, zu humanitären Aufenthaltstiteln. Ohne Unterstützung stehen die Menschen vor einem Dickicht aus Paragrafen. Mit Hilfe der Rechtsberatung gelingt es vielen, ihre Rechte wahrzunehmen und sich in einem undurchsichtigen System zurechtzufinden.

Beratung schützt vor Ausgrenzung, Desinformation und Radikalisierung. Wer Orientierung bietet, vermittelt auch Teilhabe, Rechte, Pflichten und Möglichkeiten in einer demokratischen Gesellschaft. Das ist das „unsichtbare Rückgrat“ gesellschaftlicher Integration.

Deshalb sagen wir ganz klar: Integration beginnt nicht mit der Aufenthaltskarte – sie beginnt mit Vertrauen, mit Sicherheit, mit dem Mut, wieder Entscheidungen zu treffen. Und psychosoziale Beratung darf nicht mit dem Auslaufen der Grundversorgung enden. Dafür braucht es Zeit. Und politische Rahmenbedingungen, die das ermöglichen.

Ihre Solidarität, liebe Leserinnen und Leser, hat uns in all den Jahren getragen. Ohne Ihre Spenden könnten wir diese Arbeit nicht leisten. Die Mittel aus öffentlicher Hand decken das Nötigste – aber nicht das Menschliche. Nicht den Anruf am Abend, nicht die Begleitung zum Arzt, nicht das Zeitnehmen, das so oft den Unterschied macht. Die unabhängige Rechtsberatung ist bis heute ausschließlich durch Spenden finanziert.

Darum bitten wir Sie: Unterstützen Sie uns weiterhin und spenden Sie. Ermöglichen Sie Beratung ab dem Ankommen. Damit geflüchtete Menschen nicht nur überleben, sondern leben können – mit Würde, Sicherheit und Perspektive.

Danke, dass Sie an unserer Seite stehen.

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