Weltalphabetisierungstag

schriftlos heißt nicht sprachlos

Teilnehmerinnen aus dem Kurs "Mama lernt Deutsch - F.U.T.U.R.E-Train" nahmen dieses Jahr an der Schreibaktion "schriftlos heißt nicht sprachlos" von Basisbildung und Alphabetisierung teil. Die Beiträge geben Einblicke in die Lebensrealitäten und Zukunftsperspektiven von geflüchteten Frauen. Veröffentlicht werden sie im Rahmen des Weltalphabetisierungstages am 8. September in der Publikation "Nach den Sternen greifen":

Stark bleiben und das Leben einfach finden

Ich bin Zahra Sultani. In meinen Leben passierte viel.  Ich habe Glück, ich bin zufrieden und stolz.  Es ist auch viel Trauriges passiert, aber ich war in diesen Momenten mutig und geduldig. Früher wohnte meine Familie in einem kleinen Dorf. Das Leben dort war nicht einfach, neben meinem Haus gab es keine Schule, nur eine Moschee. Ich war im Dorf und habe meiner Mutter bei Hausarbeit geholfen. Ich weiß nicht was ist passiert ist, aber wir sind nach Kabul umgezogen. Danach habe, ich mich in der Schule angemeldet das war mein Traum, in die Schule gehen zu können.  Ich versuchte bis zur neunten Klasse lernen, obwohl die Familie und die Verwandten das nicht wollten. Die Mädchen durften nur bis zur sechsten Klasse lernen, ich habe heimlich weitergelernt.

Meine Lehrer fragten mich oft, warum ich nicht mehr zur Schule komme. Du bist wie jemand, der einen Berg zur Hälfte hinaufgegangen ist und dann wieder runter. Es war sehr schwierig und traurig für mich, die Schule nicht zu beenden. Nach der Schule habe ich mit meiner Mutter zuhause als Schneiderin gearbeitet.

Danach habe ich geheiratet, 2015 bin ich nach Österreich gekommen. Die ersten Tage waren für mich sehr schwierig, ich konnte nicht nach draußen gehen, ich verstand die Sprache nicht, ich hatte keine Freunde in dieser Zeit, das war sehr schwer, aber mit der Zeit wurde es einfacher.

Ich habe einen Deutschkurs besucht und den Schulabschluss bei UKI in Wien geschafft. Nach der Schule habe ich Zwillinge, Mädchen bekommen und später habe ich einen Sohn bekommen. Mit drei Kindern habe ich hart gearbeitet und meinen Führerschein habe ich gemacht und ich bin sehr stolz. Dann habe ich den Antrag auf Staatsbürgerschaft abgegeben. Jeder versteht, dass das sehr schwierig ist, hier einen Pass zu bekommen. Nicht jeder kann das. Mit viel Mühe und Entschlossenheit habe ich erfolgreich meinen Pass erhalten.

LEBENSGESCHICHTE - MEIN TRAUM BERUF

von Kadriye Sansar

Früher in meiner Schulzeit wollte ich unbedingt Köchin werden. Ich hatte eine Große Leidenschaft fürs Kochen. Und habe viel dafür getan. Ich habe auch an Schulprojekten teilgenommen und jede Gelegenheit genutzt, um neues zu Lernen. Ich habe hart gearbeitet und mich sehr angestrengt. Doch nach der Schule habe ich leider geheiratet. Und mein Leben hat sich verändert. Heute koche ich jeden Tag für meine Familie mit genauso viel liebe und Freude wie früher.

Auch wenn ich meinen Berufswunsch nicht verwirklicht habe, lebe ich meine Leidenschaft jeden Tag zu Hause weiter. Und das macht mich glücklich und zufrieden. Aber heute habe ich ein neues Ziel. Ich möchte in Zukunft beruflich etwas anderesmachen. Dafür zuerst gut Deutsch lernen. Ich gebe mein Bestes, weil ich weiß, mit Fleiß und Geduld kann ich alles schaffen. Zu diesem Thema gibt es ein Sprichwort: „Wollen ist der Halbe weg zum Erfolg“.

Leben ist einfach, wenn man will

Ich bin Fatema Ahmadi und komme aus Afghanistan. Ich bin in einer relativ armen Familie in Gazni geboren. Meine Familie war groß und nur mein Vater hat gearbeitet, trotzdem konnte ich die Matura sehr gut abschließen. Mein Vater hat mir sehr geholfen. Nach der Matura musste ich in einen Vorbereitungskurs für die große Prüfung gehen, aber leider konnte ich nicht gehen. Ich habe immer zuhause fleißig gelernt. Deshalb konnte ich die Prüfung mit der höchsten Punktzahl schaffen und wurde an der zweitgrößten Universität Afghanistans im Fach Mathematik aufgenommen.

Am Anfang war es für mich so schwer, da ich Englisch nicht gesprochen habe. Ich habe einen schwierigen Weg hinter mir. Trotzdem konnte ich mit allen diesen Problemen nach vier Jahren an der Universität alles gut schaffen. Ich habe auch 5 Monate Englisch gelernt. Nach der Universität habe ich in 15 tagen Führerschein in Afghanistan gemacht.

Ich wollte in meinem Heimatland Mathematiklehrerin werden, aber leider kam Taliban und ich konnte nichts weiter machen. Ich bin sein 2023 in Österreich. Als ich in Wien angekommen bin, habe ich zuerst gedacht, ich kann nichts schaffen, aber nach zwei Jahren habe ich in Wien B1 Kurs gemacht. Ich möchte auch in Wien in diesem Jahr Führerschein machen.

Im Leben ist alles schwer, aber wenn ich alles gut mache, dann ist alles einfach. Ich sage mir immer: „Leben ist einfach.“

Mein Meisterstück – Kochen und Mutter sein

von Roze Sadek

Als ich nach Österreich gekommen bin, war alles neu für mich. Ich hatte eine kleine Tochter und musste viel lernen. Deutsch, das Leben hier und wie man alles schafft. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich mit dem Kochen angefangen habe. Es war nicht einfach, aber ich habe mit Liebe und Geduld gelernt. Heute koche ich jeden Tag für meine Familie, und wenn meine Tochter sagt: „Mama, dien Essen ist super!“, bin ich sehr glücklich. Ich habe mir alles selbst erarbeitet – ohne Hilfe! Darauf bin ich stolz. Auch die Erziehung meiner Kinder ist nicht leicht, aber ich gebe mein Bestes jeden Tag.

Ein Glücksmoment war, als ich ein Gericht aus meiner Heimat gekocht habe, und es hat wie früher geschmeckt. Ich würde mir selbst auf die Schulter klopfen, weil ich stark geblieben bin. Und ich bin über meinen Schatten gesprungen, als ich das erste Mal auf Deutsch vor anderen Eltern gesprochen habe. Mein Meisterstück ist meine Familie – und das Leben, das ich mir ihr aufgebaut habe.

Keine Angst zu sprechen

von Charilyn Van den Hurk

Als ich neu in Österreich war, konnte ich wenig Deutsch. Im Supermarkt, in der U-Bahn oder beim Arzt verstand ich fast nichts. Die Leute sprachen zu schnell. Ich hatte Angst, Fehler zu machen. Darum habe ich nicht gesprochen. Einmal fragte mich eine Frau in Wien nach dem Weg. Ich verstand sie, aber ich sagte nichts. Ich hatte Angst und habe mich geschämt. Dann ging ich einen Deutschkurs. Die Lehrerin sagte: „Du musst sprechen, so lernst du!“ Ich habe geübt und habe Fehler gemacht, aber das war okay. Heute spreche ich. Ich kann Essen bestellen, allein einkaufen gehen. Ich kann mit Nachbarn reden. Ich kann Fragen stellen und beantworten. Das ist mein Meisterstück.

Jetzt ich habe keine Angst mehr, Deutsch zu sprechen. Ich verstehe auch mehr und sage noch nicht viel, aber ich traue mich!  

Mein erster Arbeitstag

Ich erinnere mich noch gut an meinem ersten Arbeitstag. Ich hatte große Angst. Ich habe nichts gewusst. Ich habe sehr hart gearbeitet. Ich bin in verschiedene Kurse gegangen und ich habe es geschafft. Ich habe im Labor gute Arbeit geleitet. Ich war stolz auf mich.

Aber jetzt muss ich wieder alles neu lernen in einer anderen Sprache.

Zahnarzt

von Hatice B.

Nach der Mittelschule habe ich ein Praktikum in einer Zahnarztpraxis gemacht. Ich hatte große Verantwortung, obwohl ich gerade die Schule beendet hatte. Am Anfang hatte ich es schwer, aber später wurde es einfacher. Mir wurde die Aufgabe gegeben, Patientendaten in den Computer einzugeben. Ich musste diese Arbeit richtig und korrekt ausführen. Ich verdiente kein Geld. Trotzdem habe ich viele Arbeitsstunden geleistet. Wir arbeiteten viele Personen in einem Raum und jeder musste sehr aktiv sein. Ich hatte viel Stress. Die Mitarbeiter dort waren sehr verständnisvoll und hilfsbereit. Dann bin ich zum Arzt gegangen. Ich habe alle Patientendaten des Arztes in den Computer eingegeben. Ich habe es geschafft, alles ordentlich zu erledigen. Das war mein Meisterstück.  

Meisterstücke

von Balsam Aleed

Mein Meisterstück ist mein Weg, den ich in einem neuen Land gegangen bin. Als ich nach Österreich gekommen bin, war alles neu und ungewohnt. Ich konnte kaum etwas verstehen und hatte große Angst, ich hatte auch Angst davor, alleine irgendwohin zu gehen. Ich wollte Deutsch lernen aber leider kurz danach wurde ich schwanger, deshalb entschied ich mich, die deutsche Sprache alleine von zu Hause mit YouTube zu lernen. Ich konnte bis B1 lernen, in dieser Zeit hatte ich meine Schwangerschaft beendet und meine Tochter geboren. Danach habe ich die B1 Prüfung privat gemacht, aber leider nicht bestanden. Trotzdem habe ich versucht, Deutsch weiter zu lernen.

Eines Tages hat mir eine Freundin gesagt, dass ein Institut einen Kurs für Frauen mit Kindern anbietet und hat mir eine Adresse gegeben. Dann habe ich mich dort angemeldet, aber leider musste ich lange auf der Warteliste warten. Nach ungefähr neun Monaten habe ich eine E-Mail bekommen, dass ich mit dem Kurs beginnen kann. Das freute mich sehr, zu dieser Zeit war meine Tochter ein Jahr und vier Monate alt. Jetzt bin ich ein Jahr im Kurs und mache weiter, mein Deutsch ist viel besser geworden. Mein Selbstvertrauen ist gewachsen, und ich bin begeistert viel mehr Deutsch zu lernen.

Ich bin stolz, dass ich so viel alleine geschafft habe, die Schwangerschaft, die Geburt und eine neue Sprache in einem neuen Land, obwohl ich noch jung bin.

Danke an alle, die daran teilgenommen haben und Danke für Ihre Beiträge!

Die gesamte Broschüre schriftlos heißt nicht sprachlos - Nach den Sternen greifen wird im Rahmen des Weltalphabetisierungstages veröffentlicht und steht hier zum Download zur Verfügung.

Das Projekt Mama lernt Deutsch - F.U.T.U.R.E. Train wird kofinanziert aus Mitteln der Europäischen Union, des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung und des Landes Wien und durchgeführt in Kooperation mit dem AMS Wien.

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