Mehrsprachigkeit fördert solidarisches Miteinander!

In den Deutschkursen des Integrationshauses spiegelt sich die Vielfalt der Sprachen und Kulturen von geflüchteten Menschen ganz besonders wieder. Im gemeinsamen Austausch wird der Reichtum an Erfahrungen, Sprachkenntnissen und Wissen der unterschiedlichen Teilnehmer*innen erst sichtbar. Die jüngsten Teilnehmer*innen sind 16 Jahre alt, die Ältesten über 40. Es gibt Deutschkurse für Jugendliche, für Frauen und Männer oder auch für Frauen mit Kinderbetreuungsbedarf.

In Österreich ist jedoch die Bedeutung von Deutschprüfungen durch die Verknüpfung von Aufenthaltstiteln in den letzten Jahren massiv gestiegen. Für einen unbefristeten Aufenthaltstitel muss die B1 ÖIF Integrationsprüfung abgelegt werden. Somit ist das Erlernen der deutschen Sprache direkt an die Existenzsicherung von geflüchteten Menschen geknüpft, was zu einem enormen zusätzlichen Druck auf Schutzsuchende führt. Besonders Frauen, die aufgrund von Kinderbetreuungspflichten, und dem nicht zureichenden Deutschkursangebot, verzögert und oftmals mit Unterbrechungen Deutsch lernen, sind zusätzlich benachteiligt. Das andauernde Bewerten der Deutschkenntnisse verengt den Blick auf Menschen, insbesondere auf ihre persönlichen Ressourcen, wie Mehrsprachigkeit.

Deutschprüfungen im vertrauensvollen Umfeld sind wichtig

Sprachprüfungen können Menschen genauso aufrichten wie niederdrücken. Prüfungen sind für sehr viele Menschen Ausnahmesituationen. Nervosität und Anspannung spielen eine große Rolle, vor allem wenn die Herkunftssprache in Schrift und Aussprache sehr weit vom Deutschen entfernt ist und zusätzlich der Ausgang der Prüfung über den weiteren Lebensweg entscheidet. Daher ist in Umgang damit höchste fachliche Umsicht geboten. „Menschen mit wenig Prüfungserfahrung sind besonders gestresst, diese Situation ist auch für die Trainer*innen schwierig und beansprucht viel Zeit und Aufmerksamkeit. Denn gerade in Prüfungssituationen gibt es Aufgabenstellungen, in denen die Geprüften von sich selbst und ihren Erfahrungen erzählen. Das sind oft sehr bewegende und persönliche Einblicke in das Leben von Geflüchteten. Persönliche Ressourcen und Kompetenzen, wie Mehrsprachigkeit und ihr kreatives Potenzial werden dann zu wenig beachtet, und damit die Faktoren, die am wichtigsten sind, um einen Job zu finden und sich gesellschaftlich einzubringen“, sagt Lydia Rössler, Fachbereichsleiterin Bildung.

Online-Konferenz „Messen – Bewerten – Prüfen“

Am 18. und 19. Februar 2022 findet der Online-Kongress „Messen – Bewerten – Prüfen im Kontext von Deutsch als Zweitsprache“ für alle Interessierte statt. Initiiert wurde er vom Netzwerk Sprachenrechte.

Mehr dazu unter: https://tagung-sprachenrechte.univie.ac.at/home/

Das Integrationshaus ist Mitglied im Netzwerk Sprachenrechte.

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