Freiwillige Mitarbeit im Integrationshaus
Das Integrationshaus sieht in seinem Betreuungskonzept neben der Arbeit von professionellen Berater*innen, Betreuer*innen, Pädagog*innen und Trainer*innen auch die Mitarbeit von freiwilligen Helfer*innen vor.
Viele unserer Leistungen könnten ohne den Einsatz freiwilliger Mitarbeiter*innen nicht erbracht werden!
Wichtige Stütze für den Neuanfang
Freiwillige Mitarbeiter*innen sind eine wichtige Ergänzung zur professionellen Betreuung des Teams im Integrationshaus. Denn Freiwillige sind etwas Besonderes im Alltag von geflüchteten Menschen: Sie stellen ihre Zeit zur Verfügung und sind Gesprächspartner*innen für Menschen, die sich isoliert fühlen.
Sie teilen ihre Erfahrungen und ihr Wissen über das Leben in Wien. Für Geflüchtete birgt die neue Lebenssituation viele Herausforderungen, alles ist anders – neue Sprache, neue Umgebung, unbekannte Menschen, verwirrende Bürokratie, und vieles mehr.
Freiwillige Mitarbeiter*innen helfen durch:
- Begleitung im Alltag: Freiwillige kennen den österreichischen Alltag und bieten Orientierung, z.B. bei der Freizeitgestaltung und beim Kennenlernen des neuen Lebensumfeldes.
- Unterstützung beim Lernen: Freiwillige geben Nachhilfe (v.a. Deutsch, Mathematik und Englisch). Sie unterstützen als Bildungspartner*innen bei sprachlichen / kulturellen Fragen oder bei der Prüfungsvorbereitung.
- Unterstützung bei Arbeits- und Lehrstellensuche: Freiwillige Mentor*innen teilen ihre Erfahrung und Netzwerke in der Arbeitswelt, und begleiten Geflüchtete bei der Lehrstellen- und Arbeitssuche.
- Unterstützung in der Rechtsberatung: Rechtskundige Freiwillige (in der Regel Jurist*innen rund um das Ende des Studiums) sammeln Erfahrungen im Asyl- und Fremdenrechtsbereich.
- Mithilfe bei Veranstaltungen des Integrationshauses: Freiwillige helfen bei Veranstaltungen mit und können daran teilnehmen.
Wir würden sagen: Es ist für jede*n etwas dabei :)
Kontakt
Koordination Freiwillige Mitarbeit
Sonja Scherzer
Tel.: 0699 121 236 09
Christiane Höggerl
Tel.: 0699 121 235 18
freiwillig@integrationshaus.at
Raum: Zimmer EN021, Erdgeschoß
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Gut zu wissen!
Hier erste wichtige Antworten auf häufige Fragen rund um die freiwillige Mitarbeit im Integrationshaus. Kurz, übersichtlich und hilfreich:
Wir vermitteln Kontakt zwischen Geflüchteten und Freiwilligen und versuchen, möglichst gut passende Personen miteinander bekannt zu machen. Oft klappt das beim ersten Treffen, manchmal braucht es mehrere Anläufe.
Die geflüchteten Menschen oder andere Schutzsuchende sind entweder Bewohner*innen, Kursteilnehmer*innen, Klient*innen der Beratungsstelle / Rechtsberatung oder Kinder und Jugendliche in den sozialpädagogischen Wohngemeinschaften
Wir vermitteln Kontakt zwischen Geflüchteten und Freiwilligen und versuchen, möglichst gut passende Personen miteinander bekannt zu machen. Oft klappt das beim ersten Treffen, manchmal braucht es mehrere Anläufe.
Die Treffen finden da statt, wo es für die Geflüchteten und die Freiwilligen passt – manche gehen spazieren, andere treffen sich in Bibliotheken oder in Räumlichkeiten des Integrationshauses.
Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen!
Das ist von Fall zu Fall verschieden: Es kommt auf die Tätigkeit an, wie viel Zeit und Regelmäßigkeit sinnvoll ist. Lernhilfe zum Beispiel kann sich über ein Schuljahr hinziehen oder nur anlassbezogen für eine bestimmte Prüfung sein – das wird alles vorab besprochen und bei der Vermittlung von Kontakten berücksichtigt.
Wichtig ist, als Freiwillige*r zu kommunizieren, was gut passt. Und wenn sich was ändert, dann finden wir eine Lösung.
Freiwillige sind mindestens 18 Jahre alt, und ansonsten so verschieden, wie unsere Bewohner*innen auch. Wir wünschen uns besonders: persönliches Engagement, Geduld, Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und Offenheit für Austausch.
Alle Klient*innen sprechen unterschiedliche Sprachen. Deutsch können manche Klient*innen recht gut, andere noch nicht so. Freiwillige brauchen gute Deutschkenntnisse um mit den Geflüchteten und Mitarbeiter*innen ausreichend kommunizieren zu können. Perfektes Deutsch ist nicht notwendig ;)
Es ist uns wichtig, die freiwilligen Mitarbeiter*innen bei ihren Aufgaben zu begleiten. Darum gibt es für alle Freiwilligen das ganze Jahr über kostenlose Schulungsangebote - zu Themen wie Trauma, Lernhilfe, Leben als Geflüchtete in Wien -, Exkursionen, Workshops und gemeinsame Veranstaltungen. Die Termine werden ausgeschickt und sind auf unserer Website zu finden.
Möglichkeiten zum Austausch gibt es außerdem persönlich, telefonisch oder per E-Mail mit den Projektzuständigen oder mit der Freiwilligenkoordination – es ist uns ein Anliegen, dass Freiwillige eine Ansprechperson haben, an die sie sich wenden können.
Ein Einstieg ist das ganze Jahr über möglich. Die Anmeldung ist ganz einfach über die Homepage: www.integrationshaus.at/freiwillige. Unsere Koordination meldet sich dann und macht einen Kennenlerntermin aus, bei dem alle Fragen ausführlich besprochen werden.
Aktuelle Termine für Freiwillige
Freiwillige Mitarbeiter*innen erzählen:
"Neben den vielen Lektionen, die ich als Begleiterin, Mentorin, Buddy, Bewerbungscoach oder wie auch immer man die Rolle nennen mag, selbst erhalte, ist es vor allem Eines, das mich über Unmöglichkeiten und Zweifel, über Niederlagen und Aussichtslosigkeiten hinwegträgt: die Offenheit füreinander, das aneinander Lernen und einander Zuhören. Es wächst das Gefühl, den richtigen Nährboden gefunden zu haben, auf dem unser „Haus der Freundschaft“ weiter Form annehmen darf.
Ich danke dem Integrationshaus, dieser offenen Zufluchts- und Begegnungsstätte, und den Menschen, die dort zusammenwirken, für eines der größten Geschenke, das ich bekommen habe, seit ich vor rund drei Jahren nach Wien übersiedelt bin: ein offenes Haus mit offenen Ohren für Menschen, ihre Probleme und Ideen. Vor Kurzem durfte ich dem Vater meiner Freundin in Damaskus lauschen, wie er ein tieftrauriges Lied der Sängerin Feyrouz auf der Laute vortrug. Es war eine der schönsten und zugleich traurigsten Begegnungen meines Lebens."
Nina H., Musikerin und freiwillige Mitarbeiterin
Kalt ist es geworden in Europa, und viele politische Entscheidungen lassen die Temperaturen weiter fallen. Das Meer vor Europas Küsten wurde inzwischen zu einem großen blauen Grab, das täglich weiter gefüllt wird, und jene, die versuchen zu helfen, werden zu Straftäter*innen gemacht. Ja, kalt ist es geworden. 2020 war für mich der Punkt erreicht, an dem ich das nicht mehr akzeptieren konnte. Ich wollte selbst etwas tun und machte mich auf die Suche nach einem Ort, an dem ich den Kampf gegen die Kälte mit meiner Energie unterstützen kann. Im Integrationshaus bin ich fündig geworden. Anfangs, nach Absolvierung des Buddykurses, hatte ich große Bedenken, ob es möglich ist, als Transfrau mit Menschen zu arbeiten, die aus einem völlig anderen Kulturkreis kommen. Ich habe die Menschen, mit denen ich inzwischen zu tun habe, massiv unterschätzt, vor allem ihre Offenheit und ihre Toleranz. Sehr schnell lernte ich, dass Integration ein interaktiver Prozess ist, bei dem sich beide Partner*innen integrieren. Ein Gedicht von Ingeborg Bachmann fällt mir ein:
Schatten Rosen Schatten
Unter einem fremden Himmel
Schatten Rosen
Schatten
auf einer fremden Erde
zwischen Rosen und Schatten
in einem fremden Wasser
mein Schatten
Ich habe in den letzten beiden Jahren nicht nur viel gelernt, sondern auch sehr viel Wärme bekommen. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Nora Paulmichl, freiwillige Mitarbeiter*in
Doris und Alex sind zwei von insgesamt rund 200 freiwilligen Mitarbeiter*innen im Integrationshaus. Ohne sie wäre die intensive und oft sehr individuelle Betreuung der Schutzsuchenden nicht möglich. Sie besuchten vor vielen Jahren den so genannten Buddy-Kurs – eine Schulungsreihe für zukünftige freiwillige Mitarbeiter*innen, um sich in der Lebenswelt von geflüchteten Menschen besser zurecht finden zu können. Seit damals unterstützen sie das Freizeitprogramm für Kinder und Jugendliche und sind bei vielen anderen Anlässen mit dabei, wo helfende Hände benötigt werden, wie zB beim Wiener Flüchtlingsball oder der Weinversteigerung zugunsten des Integrationshauses.
Alex zu seiner Motivation, sich regelmäßig für geflüchtete Kinder als freiwilliger Mitarbeiter zu engagieren: „Man bekommt so viel mehr zurück als man gibt!“ Und Doris ergänzt: „Die Kinder wecken das Kind in mir und das bringt so viel Lebensfreude!“
Für die geflüchteten Kinder im Integrationshaus sind die Lernbuddy-Stunden eine besonders wichtige Ergänzung zur Schule. Vertiefungen des Lernstoffs, Nachhilfe, aber auch das spielerische Lernen von Neuem helfen den Kindern, in der Schule besser zurecht zu kommen.
Ildikó und Dorli helfen den Kindern, plaudern mit ihnen und kümmern sich um Abwechslung an den Nachmittagen. Ohne sie wäre die intensive und oft sehr individuelle Betreuung der Schutzsuchenden nicht möglich. Die beiden Frauen besuchten im Herbst 2023 den so genannten Buddy-Kurs – eine Schulungsreihe für zukünftige freiwillige Mitarbeiter*innen, um sich in der Lebenswelt von geflüchteten Menschen besser zurecht finden zu können. Seit Anfang 2024 sind sie fixer Teil im Nachmittagsprogramm für die Volksschulkinder.
Dorli meint auf die Frage zu ihrer persönlichen Motivation für diese freiwillige Arbeit: „Ich kann als Einzelperson wenig an den Fluchtursachen ändern. Aber ich kann dazu beitragen, dass sich diese wunderbaren, wissbegierigen und absolut liebenswerten Kinder bei uns wertgeschätzt und willkommen fühlen. Und das macht mich glücklich.“
Und Ildikó fasst kurz und knapp zusammen: „Make someone happy, and you will be happy too.“
Aus dem Jahresbericht 2024:
- Anzahl der Freiwilligen: 280
- Neue Freiwillige im Jahr 2024: 112
- Infoveranstaltung, Schulungsabende, Gruppenangebote: 59
- Teilnehmer*innen an Schulungen und Gruppenangeboten: 130
(gemessen über das ganze Jahr)