Von Gewerkschaft bis Industrie, von Klammer bis Jelinek, sie alle fordern: AsylwerberInnen sollen arbeiten dürfen

„Machen wir uns stark“-Kampagne lässt Druck auf Politik von Tag zu Tag wachsen

Die Plattform „Machen wir uns stark“ ist erfreut über den breiten Zuspruch, den die Kampagne für den Zugang zu Lehre und Arbeitsmarkt für Asylsuchende erhält. Mehr als 80 Organisationen unterstützen inzwischen die Kampagne. Über 6.400 Menschen haben sich bereits auf der Kampagnenseite als UnterstützerInnen eingetragen, darunter zahlreiche Prominente, wie Franz Klammer, Elfriede Jelinek, Thomas Brezina, Doris Schretzmayer, Josef Hader oder Elisabeth Scharang. Darüber hinaus wird die Kampagne sowohl von Gewerkschaftsseite als auch von Seiten der Industrie unterstützt.

Aufgrund eines ministeriellen Erlasses aus dem Jahr 2004 dürfen jugendliche AsylwerberInnen derzeit keine Lehre machen und auch erwachsene Asylsuchende haben bis auf die Saison- und Erntearbeit keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt. Perspektivlosigkeit und Dequalifizierung sind die Folge. Viele warten schon Jahre auf die Möglichkeit, regulär arbeiten zu können. Der Staat schaut untätig zu, obwohl viele der betroffenen Asylsuchenden dauerhaft in Österreich bleiben werden.

Die Forderungen der Kampagne sind so simpel wie einleuchtend: Asylsuchende sollen nicht mehr zum Nichtstun verdammt sein, sondern spätestens 6 Monate nach Asylantragstellung regulär arbeiten dürfen. Darüber hinaus soll es Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Asylsuchende geben.

„Ich musste 7 lange Jahre warten bis ich Asyl zuerkannt und damit die Chance bekommen habe, zu arbeiten. Meine Fähigkeiten als Englischlehrerin sind in diesen 7 Jahren brach gelegen, ich durfte sie nicht nutzen. Das ist sehr traurig und hat mich auch beim Deutsch lernen blockiert“, erzählt Rachel Omoregie, ehemalige Hausbewohnerin des Integrationshauses.

Dazu der Schauspieler und Kabarettist Josef Hader: „Dass Menschen, die hier leben, weder eine Lehre machen dürfen, noch arbeiten dürfen, das widerspricht jedem Menschenverstand. Kein klar denkender Mensch versteht, warum Jugendlichen jede Perspektive genommen wird und warum Erwachsene nicht auf eigenen Beinen stehen dürfen. Nur weil sie AsylwerberInnen sind? Das versteht kein Mensch.“

Auch die Gewerkschafterin Dwora Stein ist überzeugt: „Das Recht auf Arbeit ist ein Menschenrecht und eine Selbstverständlichkeit in einem demokratischen Staat. Dass Asylsuchende in Österreich nicht arbeiten und auch keine Lehre machen dürfen, ist eine absurde Vergeudung der Potenziale dieser Menschen, zudem mit ihrer Menschenwürde nicht vereinbar und belastet auch noch die Staatskasse und die SteuerzahlerInnen.“

Die Industrie in der Person des Präsidenten der Industriellenvereinigung Wien, Georg Kapsch, hält fest: „Ein adäquater Arbeitsmarktzugang für Asylwerber ist – unter Berücksichtigung des Ersatzkraftverfahrens – ein wichtiges Anliegen. Vor allem geht es um jugendliche Asylwerber: Wertvolle wirtschaftliche Kompetenzen dürfen nicht durch langes unproduktives Warten verloren gehen. Der Zugang zur Beschäftigung und Ausbildung ist ein wesentliches Element der Integration.“

Ganz klare Worte findet auch der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler: „Ich unterstütze die Initiative für den Zugang zu Lehre und Arbeitsmarkt für Asylsuchende, weil ich die bestehende Regelung für blanken Unsinn halte.“

Und der Kabarett-Gruppe maschek ist angesichts der Situation von Asylsuchenden längst nicht mehr nach Lachen zumute: „Für maschek hört sich hier der Spaß auf: Wer legal in Österreich ist, der soll hier arbeiten und Steuern zahlen dürfen! Man muss nicht einmal ein Gutmensch sein, um das gut zu finden - es ist eine Sache der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Vernunft. Da drüber müssen wir reden.“

„Als ehemaliger Asylwerber weiß ich zu schätzen, wie wichtig es ist, beschäftigt zu sein. Weil die Beschäftigung dem langen leeren Tag von AsylwerberInnen einen Sinn gibt. Jede Investition in AsylwerberInnen ist eine Investition für die Zukunft dieses Landes.“, betont Simon Inou, Journalist und Geschäftsführer von M-Media.

„Jugendlichen die Möglichkeit zu nehmen, eine Lehre zu machen und sie zum Nichtstun zu verdammen, darf wohl ebenso als dumm bezeichnet werden, wie die Tatsache, dass AsylwerberInnen vom Staat Grundversorgung erhalten, statt ihnen die Möglichkeit zu geben, durch Arbeit selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Geben wir den Menschen die Chance, ihre Potenziale zu nutzen!“, so Willi Resetarits, Gesangskünstler und Mitbegründer des Integrationshauses.

„Die Regierung will Arbeitskräfte aus Spanien anwerben, während gleichzeitig Menschen, die in Österreich leben, vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Absurder geht es nicht. Viele Menschen auf der Straße reagieren fassungslos, wenn sie erfahren, dass Asylsuchende daran gehindert werden, einen Beitrag für sich und zur Volkswirtschaft zu leisten. Mit unserer Kampagne wollen wir das Sozialministerium und das Innenministerium davon überzeugen, dass es ein Gewinn für alle ist, wenn Asylsuchende arbeiten dürfen“, erklärt Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.

„Der lange geforderte Zugang zum Bildungs- und Arbeitsmarkt für Asylsuchende soll endlich Realität werden. So wären Asylsuchende auch nicht mehr auf die viel zu geringe Grundversorgung - "heiße" 10,08 Euro pro Tag für einen Alleinstehenden inklusive Miete! - angewiesen. Für jugendliche Asylsuchende, die keine Lehrausbildung absolvieren dürfen, gilt nicht nur ein de-facto Arbeitsverbot, sondern auch ein Ausbildungsverbot, wofür Österreich schon mehrfach international kritisiert wurde. Hier werden Potentiale und wertvolle Lebenszeit verschwendet! Dies müssen wir ändern“, betont Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses.

Als nächste Kampagnenschritte werden österreichweit PolitikerInnen aller Couleurs kontaktiert, um sie für das so wichtige Anliegen der Kampagne zu gewinnen. Darüber hinaus werden Gespräche mit den zuständigen Ministerien geführt und weitere Informations- und Mobilisierungsaktivitäten gesetzt.

Die Plattform „Machen wir uns stark“ wird von Integrationshaus, SOS Mitmensch und M-Media getragen. Alle Informationen zur Kampagne finden Sie hier: http://www.machen-wir-uns-stark.at/

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