Machen wir uns stark! Heuer letzter 1. Mai-Aufmarsch ohne AsylwerberInnen

Kampagne fordert Zugang zu Lehre und Arbeitsmarkt für Asylsuchende statt Perspektivlosigkeit

Die Plattform „Machen wir uns stark“, die von SOS Mitmensch, dem Verein Projekt Integrationshaus und M-Media getragen und von weiteren Organisationen unterstützt wird, startet am 1. Mai eine Kampagne für die Öffnung des Zugangs zum regulären Arbeitsmarkt für Asylsuchende. Spätestens 6 Monaten nach Asylantragstellung sollen jugendliche und junge erwachsene AsylwerberInnen eine Lehre machen dürfen und erwachsene Asylsuchende sollen über Saisonarbeit und geringfügige gemeinnützige Tätigkeiten hinaus tätig werden dürfen.

Seit dem Jahr 2004 wird der Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende durch einen Erlass des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft blockiert. Perspektivlosigkeit unter jungen Menschen ist die Folge und auch Erwachsene trifft der versperrte Zugang zum Arbeitsmarkt hart. Viele warten schon Jahre auf die Möglichkeit, regulär zu arbeiten und auf eigenen Beinen stehen zu können.

Nicht nur Menschenrechtsorganisationen, sondern auch die Sozialpartner haben diese Problematik erkannt. In ihrem Bad Ischler Dialogpapier 2011 haben die Sozialpartner festgehalten: „AsylwerberInnen sollen 6 Monate nach Asylantragstellung in Österreich die Möglichkeit haben, eine auf max. 12 Monate befristete Beschäftigungsbewilligung zu erhalten. Ein besonderes Anliegen sind den Sozialpartnern die jugendlichen AsylwerberInnen, für die durch die Möglichkeit einer Lehrausbildung eine neue Perspektive geschaffen werden soll.“

Unterstützt wird die „Machen wir uns stark“-Kampagne von ProponentInnen aus fast allen gesellschaftlichen Bereichen. Zu den ErstunterstützerInnen zählen etwa die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die Unternehmer Hans Staud, Rudolf Semrad, Herbert Stepic und Volker Hornsteiner, der Kabarettist Josef Hader, der Regisseur Ulrich Seidl, die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Susanne Scholl sowie die Gesangskünstler Austrofred, Willi Resetarits und Christoph & Lollo.

Lin (Asylwerberin): „Ich bin Asylwerberin. Ich habe fast fünf Jahre auf meine Asylentscheidung gewartet. Wie lange muss ich noch warten? Niemand weiß das. Ich habe in Österreich die deutsche Sprache gelernt und mit Hilfe des Integrationshauses die Hauptschule abgeschlossen. Ich habe auch eine Ausbildung als Heimhelferin gemacht. Normalerweise kann ich schon arbeiten gehen, aber ich habe keinen Asylbescheid. Ich möchte mich verselbstständigen. Ich habe Kraft. Ich möchte arbeiten gehen. Arbeit! Arbeit! Arbeit!“

Hans Staud (Wiener Konfitürenhersteller): „Ich unterstütze die Kampagne „Machen wir uns stark gegen Zukunftsraub“, damit Asylwerber/innen in kalkulierbarer Zeit ihre Fähigkeiten, Qualifikationen und Motivation in den heimischen Arbeitsmarkt einbringen können und dadurch ihre Zukunft sicherer planen und ein menschenwürdiges Leben in unserem Land führen können.“

Alexander Pollak (Sprecher von SOS Mitmensch): „Unser Ziel ist, dass heuer der letzte 1. Mai-Aufmarsch stattfindet, an dem keine AsylwerberInnen teilnehmen. Es ist gesellschaftlich falsch, ökonomisch unvernünftig und menschlich katastrophal, AsylwerberInnen den Zugang zu Lehre und Arbeitsmarkt zu versperren. Obwohl ein großer Teil der Betroffenen langfristig in Österreich bleibt, werden AsylwerberInnen künstlich zu Langzeitarbeitslosen gemacht. Das ist Zukunftsraub. Die Sozialpartner und viele PolitikerInnen haben das bereits erkannt. Mit unserer Kampagne wollen wir nun auch das Sozialministerium und das Innenministerium von der Win-Win-Situation überzeugen, die sich ergibt, wenn Asylsuchende nicht mehr zum Nichtstun verurteilt sind.“

Andrea Eraslan-Weninger (Geschäftsführerin des Integrationshauses): „Der lange geforderte Zugang zum Bildungs- und Arbeitsmarkt für AsylwerberInnen soll endlich Realität werden. Dies würde das Image von AsylwerberInnen heben und ein Leben in Selbstbestimmung erleichtern. So wären Asylsuchende auch nicht mehr nur auf die viel zu geringe Grundversorgung – „heiße“ 10,08 Euro pro Tag für einen Alleinstehenden inklusive Miete! – angewiesen.“.

„Einerseits benötigt die Wirtschaft gut ausgebildete Fachkräfte und andererseits gibt es eine Reihe von Asylsuchenden, die interessante Ausbildungen, Erfahrungen und vielfältige Sprachkenntnisse mitbringen. Doch solange sie im Asylverfahren sind, heißt es für sie immer nur Bitte warten! Die Wirtschaft klagt auch, dass sie offene Lehrstellen oft nicht besetzen kann. Für Jugendliche gilt nicht nur ein de-facto Arbeitsverbot, sondern auch ein Ausbildungsverbot, da die Aufnahme einer Lehrausbildung eine entsprechende Genehmigung nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz voraussetzt. Hier werden Potentiale und wertvolle Lebenszeit verschwendet! Dies müssen wir ändern. Geben sie Flüchtlingen eine Zukunft und unterstützen sie unsere Kampagne“, fordert Eraslan-Weninger abschließend zur aktiven Unterstützung der Kampagne auf.

Alle Informationen zur Kampagne finden Sie hier: http://www.machen-wir-uns-stark.at/

Rückfragehinweis:
Alexander Pollak
0664 512 09 25
apo@sosmitmensch.at
www.sosmitmensch.at

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